Notizen aus dem Eis 142 | Bei Polarlicht bitte Aluhut aufsetzen


Polarkolumne von Birgit Lutz

Birgit Lutz, eine preisgekrönte Autorin und ehemalige SZ-Journalistin, ist Expeditionsleiterin und gefragte Rednerin.
Ihre Polarkolumne erscheint einmal pro Monat auf unserer Homepage.



Wusstet Ihr eigentlich, dass das Polarlicht in den USA hergestellt wird, um unsere Gedanken zu kontrollieren? Nicht? Na, dann hab´ ich Neuigkeiten für Euch.

Im Januar konnte man in Deutschland und noch weiter im Süden Polarlichter beobachten. Diesmal waren sie so stark, dass ich abends um halb elf noch auf den Spitzingsattel gefahren bin, um mir das anzuschauen. Und es hat sich wirklich gelohnt – aber das wisst Ihr sicher alles. Fantastische Fotos gab es in den Tagen darauf überall zu sehen. Tausende Menschen hatten im ganzen Land gestaunt. Was für ein tolles, auch verbindendes Geschehen!

Natürlich habe ich auch Fotos davon gepostet, auf Facebook und Instagram, und ich habe die noch viel besseren Fotos von vielen anderen Begeisterten mit Freude und Interesse angeschaut. Bald fiel mir auf, dass sich unter diesen Posts merkwürdige Kommentare häuften. Unter meinen Bildern stand zum Beispiel:

„Warum das noch nie da gewesene, nicht hinterfragt wird, ist mir unbegreiflich.“

Abgesehen vom Ärgernis der mangelhaften Rechtschreibung hat mich dieser Satz erstmal stutzen lassen. Oh je, dachte ich, Geschwurbel jetzt auch beim Polarlicht? Also schaute ich mal ein bisschen weiter und stieß sogleich auf Aussagen wie: „Schöne Romantik aber eigentlich unmöglich so weit südlich ,- es sei denn jemand hat am Wetter gedreht“, oder „Von Harp gemacht sie haben die oberen Luftschichten erhitzt das ist der ganze Zauber nix Polarlichter“. Und Vieles mehr.

Gemein ist all diesen Aussagen die eben mangelhafte Rechtschreibung – nicht einmal das Zentrum ihres Geschwurbels können diese Leute fehlerfrei wiedergeben, denn „Harp“ meint „HAARP“ und damit kommen wir einem ganz, ganz großen Ding auf die Spur. Ich konnte gar nicht glauben, dass mir das bisher entgangen ist, wo ich mich doch schon recht viel mit Polarlicht beschäftige.

Ich dachte bisher – vereinfacht gesagt –, dass Polarlicht immer dann entsteht, wenn auf der Sonne sogenannte Sonnenstürme stattfinden und geladene Teilchen Richtung Erde geschleudert werden. Diese Teilchen werden vom Magnetfeld der Erde abgelenkt in Richtung der beiden Pole, wo sie dann in die Atmosphäre eintreten. Je nachdem in welcher Höhe sie auf welche Teilchen stoßen, gibt es dann grünes, rotes, blaues Polarlicht. Wenn es einen ganz besonders starken Sonnensturm gibt, kann man Nordlichter auch weit im Süden sehen. Das habe ich so auch immer auf den Schiffen erzählt, und dazu Grafiken, Messwerte und allerlei wissenschaftliches Zeugs gezeigt. Nun muss ich aber feststellen: Das ist ja alles ganz anders.

Es ist nämlich so: In Alaska steht diese große HAARP-Anlage. HAARP heißt: High Frequency Active Aurora Research Program (Hochfrequenz-Forschungsprogramm zur Polarlichtaktivität). Diese Anlage gibt es seit den Neunzigerjahren, betrieben wird sie von der University of Alaska, früher auch vom US-amerikanischen Militär. Die Anlage untersucht mit Hilfe von Radiowellen die obere Schicht der Atmosphäre, insbesondere die Ionosphere. Sagen sie. In echt „erhitzen sie die oberen Luftschichten“, wie es dieser eine Investigativ-Kommentierer so treffend beschrieben hat. Und dann leuchten die. Und wenn sie ganz arg erhitzt werden, leuchtet das sogar in Deutschland. Das geht nämlich normalerweise gar nicht; Polarlichter kann man bei uns nur sehen „wenn man am Wetter dreht“, wie eine andere Kommentierende ganz richtig schrieb, denn jeder weiß ja auch, Polarlichter gibt es nur bei gutem Wetter, das Wetter hängt also unbedingt mit dem Auftreten von Polarlicht zusammen.
Jaja, ihr lacht, aber das ist echt so.

HAARP, habe ich jetzt gelernt, macht aber nicht nur Polarlicht. Die machen auch Erdbeben, Überschwemmungen, Stürme, und bei den Chemtrails, die kürzlich auch von der Universalkoryphäe Monika Gruber gesehen wurden (die völlig den Verstand verloren hat), hat HAARP auch seine Wellen mit drin. Wozu das alles? Das ist ja ganz einfach. Wir sollen kontrolliert werden. Wir, und unsere Gedanken. Das ist alles fundiert bewiesen! (Fundiert ist seit Corona mein Lieblingswort. Irgendein Telegram-Doktor hat das wohl mal irgendwo verwendet und das klang für Viele so voll seriös und seitdem taucht dieses Wort vor allem bei Geschwurbel aller Art auf, das als fundierte Wissenschaft angepriesen wird.)

Man kann sich aber helfen: Man kann sich einen Aluhut basteln. Dafür gibt es etliche Anleitungen im Internet, die ich zuerst für Satire hielt, aber nein, ganz viele davon sind ganz ernstgemeinte Bastelanleitungen. Wer bei den letzten Nordnorwegen-Reisen dabei war, weiß, wie viel Mühe wir uns für den letzten Abend mit dem Falten von Servietten gegeben haben. Ich habe nun aber mit Marcus Grahl abgesprochen, dass wir jetzt immer am ersten Abend Aluhüte basteln. Das ist ein schönes Teambuilding-Event, und wir sind einfach verpflichtet, Euch und Eure Gedanken vor bösen Einflüssen zu schützen. Ich hoffe, das ist auch in Eurem Sinn!

Wer einen Ausflug in die Untiefen des Internets machen möchte, kann einfach mal ein paar Wörter googeln, HAARP Polarlicht, Aluhut, Chemtrails, beispielsweise. Es ist wirklich spannend, wozu der menschliche Geist in der Lage ist.

Ich muss mich jetzt an die Überarbeitung meines Nordlicht-Vortrags machen.
GeHAARPt euch wohl (das ist der Gruß derer, die es verstanden haben!), wir lesen uns im März!

Polare Grüße,
Eure
Birgit Lutz




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